Ankunft in Sucre und Ausflug nach Tarabuco

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Ein Besuch im Nationalpark Lomas de Arena, einer einzigartigen Dünenlandschaft mitten in den Tropen, rundete den Aufenthalt in Santa Cruz ab. Danach verließen Mimi und ich Santa Cruz in Richtung Sucre. Es sollte die längste Nachtfahrt meines Lebens werden bis wir nach 600 km die Hauptstadt Boliviens erreichten. Der Bus war sehr komfortabel mit viel Beinfreiheit. Die Passagiere waren bunt gemischt. Vom Geschäftsmann bis zur Indianerfrau fuhren alle mit. Ab und zu stiegen für eine kurze Strecke Kinder und Frauen ein, die an uns Passagiere Nahrungsmittel und Getränke verkauften. Da der Bus keine Innenbeleuchtung hatte, konnten wir die angebotenen Lebensmittel nicht wirklich sehen und so verpflegten wir uns lieber mit dem eigenen Proviant. Trotz der bequemen Sitze und der Dunkelheit, war an Schlaf nicht zu denken, denn der Bus hatte keine Heizung und es wurde mit der Zeit immer kälter. Decken gab es nicht und an mein Gepäck kam ich auch nicht. So fand ich keinen Schlaf und musste das stundenlange Weinen eines kleinen Kindes ertragen, das sich durch nichts beruhigen ließ.

Endlich am frühen Morgen nach 14 Stunden Busfahrt kamen wir in Sucre an. Niemand holte uns vom Busbahnhof ab, da der Bus noch nicht erwartet wurde. Durch häufige Pannen auf der Strecke gibt es keine geregelten Ankunftszeiten. Die Jugendherberge war nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt. Wir wurden sehr herzlich, jedoch auch überrascht über unsere frühe Ankunft begrüßt. Man hatte uns erst am nächsten Tag erwartet. Wir wurden sofort eingeladen mit den anderen Freiwilligen zu einem berühmten Sonntagsmarkt in das Dorf Tarabuco zu fahren. Der Gedanke uns schon wieder in einen Bus zu setzen war nicht sehr verlockend, sodass wir es vorzogen zu duschen und uns ein wenig auszuruhen.
Kurze Zeit später trafen wir auf unseren ersten Erkundungen im Haus auf unseren Vor-Ort-Betreuer Arturo, der uns nochmals anbot den Sonntagsmarkt zu besuchen. So fuhren wir in einer Blitzaktion mit einem Taxi zur Bushaltestelle. Dort wurden wir von Arturo in den Bus gesetzt und los ging die Fahrt. Leider hatten wir zu diesem Zeitpunkt den Namen dieses sagenumwobenen Dorfes vergessen und wussten nun auch nicht an welcher Haltestelle wir aussteigen mussten. Wir fuhren, erst eine Stunde dann zwei€¦ sollten wir einfach aussteigen? Ab und zu stiegen Campesinos (Dorfbewohner) ein und aus, doch ein richtiges Dorf konnten wir nicht sehen. Wir fuhren durch die typische trockene und hügelige Landschaft Boliviens. Für mich war es faszinierend die Einheimischen in ihren bunten Trachten und den gebräunten Gesichtern mit den feinen Gesichtszügen zu beobachten. Die Frauen trugen alle einen Hut, einen weit schwingenden Faltenrock der bis zu den Knien reichte und auf dem Rücken trugen sie meistens ihr Baby in ein großes Tuch gewickelt.
Nach zwei Stunden Busfahrt durch bolivianische Steppe begannen wir zu zweifeln, ob wir jemals unser Ziel erreichen würden. Da die anderen europäisch aussehenden Mitreisenden jedoch auch noch nicht ausgestiegen waren, beschlossen wir weiterzufahren. Nach ca. 2 ½ Stunden erreichten wir die Endhaltestelle und oh Wunder, es war das Dorf Tarabuco. Das ganze Dorf hatte sich in einen einzigen großen Markt verwandelt. Viele Einheimische und auch einige Touristen tummelten sich in den Strassen.
Bald trafen wir auch die anderen Freiwilligen, die auf Souvenirjagd waren. Doch von ihnen trennten sich Mimi und ich bald wieder, da wir großen Hunger hatten. In der Mitte des Marktes boten die einheimischen Frauen fertig gekochte Gerichte in großen Töpfen an. Hier waren wir die einzigen Touristen. Eingeschüchtert von dem großen Trubel schauten wir in viele große Töpfe bis wir schließlich für 2 Bs (20 Cent) eine riesige Portion Nudeln mit Tomatensoße kauften. Mutig setzten wir uns zu den Einheimischen an einen der Tische und genossen das original bolivianische Essen und die einzigartige Atmosphäre.
Nach diesem Abstecher in das kulinarische Reich der bolivianischen Küche fuhren wir gemeinsam zurück nach Sucre. Dieses Mal saß mir im Bus gegenüber ein Campesino wie er in Büchern beschrieben wird. Coca in der Backe und mit rot unterlaufenen Augen blickte er aus dem Fenster. Wo kam dieser Mann wohl her und wie lebte er? Ich wusste bisher nur aus Berichten, das das Leben in Bolivien für die Menschen sehr hart und arbeitsreich sei. Meinen Gedanken konnte ich zum Glück nicht lange nachhängen, da neue Herausforderungen auf mich warteten. Ich freute mich auf den Beginn meines Sprachkurses, auf die vier Wochen in der Jugendherberge und auf die kommenden Ereignisse. So würde es bald eine Parade anlässlich der Verhandlungen für eine neue Verfassung geben und auch ein Ausflug in den Dinopark war geplant.

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