Djenné – Schönheit aus Lehm

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Bamako ist vielseitig und es gibt viel zu erleben. Aber in den letzten Tagen wurde es mir in der Stadt doch zu stickig, so dass ich mir vor ein paar Tagen den Rucksack packte und mich morgens am Busbahnhof des ‚Ghana Transport’ einfand. Ich wollte zwar nicht nach Ghana, wohl aber nach Djenné, dem Niger folgend etwa 500 km nordöstlich von Bamako.

Die Reise begann – wie sollte es in Mali anders sein – mit warten. Anstatt der erwarteten Abfahrtszeit um 9 Uhr sollte der Bus nun doch erst um die Mittagszeit abfahren. An die flexible Zeitauffassung mittlerweile gewohnt machte ich es mir in einem schattigen Eckchen auf meinem Rucksack bequem und beobachtete das bunte Treiben am Busbahnhof. Reisende mit bis zum Platzen gefüllten bunten Reisetaschen bahnten sich schiebend und stoßend ihren Weg durch die Händler, die mit breiten Bauchläden allerlei Ess- und Brauchbares für die Reise ihr Geschäft versuchten. Eleganter nahmen sich da die weiblichen Händlerinnen aus, die ihre Ware gekonnt in Schalen auf dem Kopf durch die Menge balancierten. Ich ließ mich hinreißen und kaufte einen der kleinen handgeflochtenen Strohfächer, den ich in der aufsteigenden Mittagshitze gar nicht mehr aus der Hand legen wollte.

Während des Wartens hatte ich Gelegenheit, einige Mitwartende – und hoffentlich bald Mitreisende – kennenzulernen. Neben einem Apotheker aus Mopti, der sich für mich verantwortlich fühlte und freigiebig seine Bananen mit mir teilte, waren auch drei deutsche Mädels unter den Wartenden. Sie hatte ein einjähriges Stipendium und lernten an einer Sprachschule in Bamako Bamana. Ich wurde etwas verlegen, als ich hörte, wie gut sie sprechen konnten und beschloss, meine eigenen Bamana-Versuche für mich zu behalten. Die Mädels hatten jedenfalls vor, einen Wochenendtrip nach Djenné zu unternehmen – was sich gut traf, denn da wollte ich ja auch hin.

Irgendwann, sehr viel später, konnten wir endlich den Bus besteigen, der schon seit dem Morgen direkt neben dem Wartehäuschen gestanden hatte und fuhren in der glühenden Mittagshitze, die jeder Reisende in Mali normalerweise zu umgehen versucht, aus Bamako ab. Je weiter wir die Stadt hinter uns ließen, desto schöner wurde die Landschaft. Große Felsen und kahle Baobabbäume schmückten das Land. Der Bus fuhr durch kleine Dörfer mit einfachen Lehmhäusern, wo man, wenn der Bus einmal anhielt, gebratenen Fisch, Yams oder die malischen, in kleine Plastikbeutelchen gepackte Erdnüsse kaufen konnte. Natürlich direkt vom Busfenster aus, unter denen sich die Händler mit lautem Schreien bemerkbar machten.

So fuhr der Bus, bis in die Abendstunden hinein. Wir hatten auch nach häufigerem Nachfragen nicht eindeutig herausbekommen können, wie der Transport nach Djenné eigentlich laufen sollte. Der Bus, in dem wir saßen, fuhr nämlich nach Mopti, und um nach Djenné zu gelangen, musste man an einer bestimmten Kreuzung aussteigen, um dort einen anderen Wagen zu nehmen, der dort warten sollte. Diese Angaben klangen nicht nur ziemlich unpräzise, sie waren es auch. Und so kam es, dass wir uns zu nächtlicher Stunde an einem kleinen Feuer am Straßenrand wiederfanden, um auf ein Fahrzeug zu warten, dass irgendwann, aber „auf jeden Fall noch heute“ kommen sollte. Es blieb uns nichts anderes übrig, als so gelassen als möglich abwechselnd ins Feuer und in die Sterne zu starren. Die Müdigkeit, die der Körper nach einem langen Tag im heißen Bus nicht ignorieren konnte, half aber dabei, nicht allzu viel nachzugübeln. Letztendlich war uns das Glück aber hold, und der angekündigte Wagen kam tatsächlich. Nachdem meine Begleiterinnen in passablem Bamana den Fahrpreis auf ein überschaubares Maß heruntergehandelt hatten, nahmen wir hinten auf der Ladefläche des Fahrzeugs Platz und brausten los. Diese Fahrt durch die Nacht war einfach wunderbar. Der Wind zerzauste meine staubigen Haare. Die Nachtluft war kühl und duftete nach Feuchtigkeit, Erde und Rauch. Das einzige Geräusch neben dem des Motors war das Zirpen der Grillen. Von Zeit zu Zeit schwangen sich die kleinen Flughunde in die Luft, die auf der Strasse sitzend vom Scheinwerfer des Autos gestört aufstoben.

Nach einer ganzen Weile seeligen durch-afrikanische-Nacht-Brausens hielten wir an. Wir hatten das Ufer des Flusses Bani erreicht, den wir mit einer Fähre überqueren mussten, um nach Djenné zu gelangen. Erstaunlicherweise setzte die Fähre zu so später Stunde noch über, so dass wir nach magischen Momenten auf dem im Mondenschein glitzernden Fluss auch bald in Djenné ankamen. Ein günstiges Hotel mit einfachem Matratzenlager war schnell gefunden und schnell kam auch der Schlaf.

Es muss in den frühen Morgenstunden gewesen sein – es war noch duster -, als eigenartige anmutende Klänge mich aus den Träumen hoben. Verwirrt trat ich ans Fenster, konnte aber in der Dunkelheit nichts erkennen. Ein Meer fremdartig murmelnder Stimmen durchdrang die Stadt. Deutlich hob sich die Stimme eines Jungen ab, der im selben Rhythmus, aber mit melodischem Singen ein Teil des Stimmenmeeres war. Wie verzaubert ließ ich mich wieder auf meine Matratze gleiten und tauchte im Stimmenmeer versinkend wieder in einen wohligen Schlummer.

Als ich wenige Stunden später aufwachte, war es bereits hell. Ich trat ans Fenster und erinnerte mich plötzlich wieder an die zauberhafte Geräuschkulisse der Nacht, als ich sah, was sich direkt gegenüber des Hotels befand: die Lehmmoschee von Djenné.

Mali, Djenné: Mali, Lehmmoschee in Djenné

Die Moschee ist eine der ältesten muslimischen Lehmbauten und weltweit die größter ihrer Art.. Jedes Frühjahr gibt es eine große Restaurationsaktion, in der die ganze Stadt mithilft, Lehm vom Flussufer zu transportieren und den von der Regenzeit mitgenommenen Bau von Hand neu zu verputzen.

Nach einem halbherzigen Frühstück zog ich los, um die schlichte Schönheit dieses architektonischen Meisterwerks aus der Nähe zu bestaunen. Leider ist es Weißen, bzw. Nicht-Muslimen nicht mehr gestattet, die Moschee zu betreten, da wohl vor einigen Jahren ein europäisches Filmteam verbotenerweise betende Frauen filmte.

Am Nachmittag hatten meine Reisegefährtinnen einen Pirogentrip auf dem Fluss mit anschließendem Besuch eines Dorfes geplant, dem ich mich anschloss. Die Fahrt in der Piroge, dem kleinen, in dieser Gegend typischen Boot, gefiel mir gut – weniger aber der Besuch in dem Peuldorf. Die Peul ist eine Ethnie traditioneller Viehzüchter in Mali. Durch das Dorf schleichend kam ich mir vor wie eine Voyeuristin, die neugierig in fremder Leute Vorgarten schielt und ich war froh, als wir wieder auf dem Fluss zurückfuhren.

Mali, Djenné

Da meine Reisegefährtinnen am nächsten Morgen wieder zurück nach Bamako aufbrachen, um weiter ihrem Sprachkurs zu folgen, trennten sich unsre Wege. Ich schlenderte noch über den in Reiseführen so hoch gelobten Montagsmarkt vor der Moschee, ließ mir einen Klumpen Carrité-Butter für die Schönheit der Haut andrehen und suchte mir dann einen Bus in Richtung Mopti.

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