Leben in Sucre – Bolivien

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Sucre ist eine sehr alte, im Kolonialstiel erbaute Stadt in einer Höhe von 2790m. Die Stadt ist UNESCO Weltkulturerbe und auch die Hauptstadt Boliviens.Ich konnte mich schnell einleben denn die Stadt ist eher europäisch geprägt und die Freiwilligen waren in einem europäisch ausgestatteten Haus untergebracht. Die Hauptaufgabe bestand für uns im Erlernen der spanischen Sprache.

Jeden Tag hatten wir zwei Stunden Einzelsprachunterricht. Was sich so locker anhört war in Wirklichkeit harte Arbeit, denn nach dem Unterricht war schon wieder vor dem Unterricht. Die Nachbereitung und die Hausaufgaben waren mit sehr viel Arbeit verbunden, doch im Nachhinein betrachtet, hat sich die Mühe und die Lernerei wirklich gelohnt. Darüber hinaus bekamen wir auch viele Informationen zur Kultur und Geschichte des Landes vermittelt. Schon bald fing ich an die Regionalzeitung zu lesen. So war ich stets recht gut über die Ereignisse und anstehenden Veränderungen im Lande informiert, die Evo Morales der neue Präsidenten von Bolivien plante, um die Situation der armen Bevölkerung zu verbessern.

Es blieb immer noch genügend Zeit für Ausflüge, Kino- und Cafébesuche, sowie für Einkäufe auf den vielen Märkten. Die diversen Ausflüge waren eine willkommene Abwechslung vom Lernalltag. Besonders beeindruckend waren der Ausflug in den Dinopark und der Besuch einer Militärschule.

Der Dinopark ist wohl die bekannteste Attraktion in der Umgebung von Sucre. Ich besuchte den Park am letzten Tag, bevor er für umfangreiche Renovierungsarbeiten geschlossen wurde. Mit einem gelben Helm auf dem Kopf stapften wir auf unbefestigten Wegen und ohne Anschauungsobjekte über ein riesiges Gelände was mir eher wie eine Baustelle vorkam als ein Museumspark. Unser Führer, der redlich Englisch sprach, gab sich alle Mühe, uns eine anschauliche Führung zu gestalten. So verwandelte er sich für eine kleine Showeinlage in einen Dinosaurier, der die Touristen als willkommene Beute verfolgte. Sehr geheimnisvoll war die riesige Steinwand auf der sich viele original Dinofußabdrücke abzeichneten. Die Ausgrabungsarbeiten dauern noch immer an und auch heute werden noch neue Abdrücke gefunden.

Zum Ausflugsprogramm gehörte auch der Besuch einer Militärakademie in Sucre, da das Militär und der Militärdienst in Bolivien einen sehr hohen Stellenwert haben.

Zur Ableistung des Wehrdienstes gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder die jungen Männer leisten diesen an den Wochenenden ab, während sie in ihrem letzten Schuljahr sind, oder sie gehen nach dem Schulabschluss für ein Jahr in eine Kaserne. Wehrdienstverweigerung ist nicht möglich.

Für Touristen ist der Zutritt zu einer Militärschule nicht möglich. Doch da unser Betreuer viele Jahre beim Militär gedient hatte, durften wir die Militärschule betreten. Ich glaubte mich in einer anderen Welt. Nun fiel ich nicht nur durch mein blondes Haar und meine helle Haut auf sondern auch noch durch meine Kleidung. Wir wurden von allen Seiten angestarrt und ich habe mich noch nie so fremd gefühlt.

Die Militärübungen, die wir beobachteten, wirkten auf mich sehr bizarr. So mussten einige Schüler mit den Händen hinter dem Kopf in der Hocke an uns vorbei €žhüpfen”. Dies taten sie mit einer bewundernswerten Disziplin und Ausdauer.

Schließlich bekamen wir auch die Gelegenheit, mit einigen Schülern zu sprechen. Leider war diese Begegnung von Berührungsängsten auf beiden Seiten gezeichnet. Auf unserer Seite vor allem durch die Sprachschwierigkeiten, auf Seiten der Militärschüler überwog die Unsicherheit und Zurückhaltung wohl auf Grund unserer €žAndersartigkeit”. Trotzdem bin ich für den Besuch in dieser Schule sehr dankbar und weiß, dass es eine einzigartige Möglichkeit gewesen ist, einen Einblick in eine Bolivianische €žKaserne” zu bekommen.

Es gab kaum einen Tag in Sucre, den wir nicht für einen Streifzug durch die Läden oder über die vielen Märkte nutzten. Pause machten wir meistens im Café €žMirador”, das sich auf der Rigoletta befindet. Sehr zu empfehlen, ist das schmackhafte Tiramisu und die frisch gepressten Säfte. In Liegestühlen, zwischen grünen Pflanzen und einem herrlichen Ausblick über die ganze Stadt, kann man dort wunderbar entspannen.

Abends konnte man uns oft im €žJoyride” antreffen, einem Restaurant mit Kino. Fast täglich werden dort Filme aus aller Welt gezeigt (sogar €žGoodbye Lenin”!), meistens mit Englischen Untertiteln. Das Joyride befindet sich direkt an der Plaza.

Nach vier Wochen Sprachschule in Sucre, wurde es Zeit für Veränderungen. Ich machte mich mit einer anderen Freiwilligen auf den Weg in das kleine Dorf €žEl Villar”, in dem wir fünf Wochen leben und arbeiten sollten.

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