Santa Cruz Bolivien

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Nach 30 Stunden war ich am Ziel. Santa Cruz in Bolivien liegt auf rund 500 m Höhe.
Nachdem ich die Einwanderungsbehörde passiert hatte um mein Touristenvisum zu bekommen konnte ich das erste Mal bolivianische Luft schnuppern. Doch bei dem Blick in meinen Pass erstarrte ich. Was musste ich da feststellen?! Statt 90 Tagen Aufenthalt waren nur 30 Tage eingetragen!
Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass es öfter vorkommt, dass Touristen den falschen Stempel bei der Einreise bekommen, so würde ich in den nächsten Tagen bei der Ausländerpolizei (migración) meine Aufenthaltsgenehmigung verlängern lassen müssen. Nach einer mir endlos erscheinenden Zeit konnte ich samt Gepäck die Passagier Area verlassen und wurde von einem kleinen Empfangskomitee begrüßt. Nacira, von Hostelling International, ihr Mann und Mimi aus Deutschland, die kurz vor mir in Bolivien angekommen war, empfingen mich.
Nun quetschten wir uns in einen kleinen Geländewagen und los ging die turbulente Fahrt durch die Stadt. Es war schon dunkel und so konnte ich nicht viel von Land und Leuten sehen. Doch das Verkehrschaos auf den Straßen und der Trubel vermittelten eine unbeschreibliche Stimmung. Verkehrsregeln schien es nicht zu geben. Wer zuerst hupte, fuhr los. Teilweise standen vier Autos an einer Querstraße, die alle in die gleiche Richtung abbiegen wollten. Für mich war es unvorstellbar, hier Auto zu fahren.
Links und rechts konnte ich Palmen erkennen, es war warm und die kleinen bunten Häuser aus Steinen oder Lehm waren mit handgemalten Werbeplakate bemalt!
Während der Fahrt, versuchten Nacira und ihr Mann ein Gespräch mit mir anzufangen. Ich verstand kein Wort und merkte, wie ich in Panik geriet. Glücklicherweise hatte Mimi zuvor ein halbes Jahr in Mexiko gelebt und konnte mir bei den ersten Sprachschwierigkeiten helfen.
Das Hotel in dem wir nun die nächsten zwei Tage wohnen sollten war schlicht gebaut. Für bolivianische Verhältnisse war das Hotel aber recht luxuriös ausgestattet. Wir hatten sogar einen Fernseher im Zimmer. Nach der langen Reise wollte ich erst einmal duschen, doch oh Schreck, aus dem Duschkopf kam nur kaltes Wasser. Ich biss die Zähne zusammen und nahm meine erste eiskalte Dusche. Andere Länder, andere Sitten. Später stellte sich heraus, dass wir eine defekte Dusche erwischt hatten, es also durchaus möglich war warm zu duschen. Am nächsten Morgen wurde ich von lautstarken Geräuschen aus dem Bad unseres Nachbarn geweckt. Dieses war nur durch eine dünne Wand von unserem Badezimmer getrennt und so gab es leider keine Geheimnisse.
Nach einem reichhaltigen, schmackhaften Frühstück mit frischem Mandarinensaft und Brötchen, zogen Mimi und ich zu einer ersten Stadterkundung los. An jeder Ecke standen Polizisten mit Pumpguns und wir fühlten uns sehr unsicher. War die Kriminalität so hoch? Wie sollten wir die Sicherheitslage für Touristen einschätzen? Mit unserer hellen Haut und den blonden Haaren schienen wir überall aufzufallen. So war dieser Ausflug sehr kurz. Am frühen Nachmittag holte uns Nacira zu einem Stadtrundgang ab und alle unsere Ängste waren verflogen. Wir besuchten die palmengesäumte Plaza, wo sich abends Alt und Jung trifft und den riesigen Markt der Stadt, der sich über sieben Straßen erstreckte. Hier konnte man absolut alles kaufen. Nachmittags sollten wir von Chicki, einem Mitarbeiter von Hostelling für einen Zoobesuch abgeholt werden. Man sagte uns, Chicki würden wir sofort erkennen, weil er sehr €žgordo€œ (dick) sei. So warteten wir an der Rezeption. Tatsächlich erkannten wir ihn dann sofort, als er schließlich mit einer halben Stunde Verspätung eintraf. Nun wurden wir in einen Zweisitzer- Geländewagen gesteckt. Das heißt, Chicki am Steuer, Mimi und ich auf dem Beifahrersitz. Der Wagen war sehr verbeult und die Fenster konnte man nicht schließen. Übers Anschnallen, wurde kein Gedanke verschwendet.
Der Zoo war wirklich schön und man konnte die gesamte Tierwelt Boliviens bestaunen, doch an dem Loch im Zaun des Krokodilkäfigs und dem mit Klebeband verschlossenen Riss im Schlangenterrarium begegneten wir Europäer mit Skepsis und mit sicherem Abstand.
Für den Abend hatte Chicki ein Restaurantbesuch mit uns geplant und so erlebten wir erstmals ein bolivianisches Restaurant. Wir bekamen lauter landestypische Köstlichkeiten serviert. Was wir aßen, wussten zumindest Mimi und ich nicht. Doch tapfer probierten wir alles und waren auch am nächsten Tag noch bester Gesundheit und bereit für unsere nächste Etappe, die uns nach Sucre führen sollte. Mein Fazit: Ein kurzer Abstecher nach Santa Cruz genügt, da die Stadt nicht viele Sehenswürdigkeiten hat.

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